Zeitblick / Das Online-Magazin der HillAc - 21. März 2008 - Nr. 28

Der Jahresregent

In der Antike arbeiteten die Astrologen mit sieben sichtbaren Himmelskörpern. Das waren Merkur, Venus, Mars, Jupiter, Saturn, Sonne und Mond. Heute nennen wir diese Himmelskörper die sieben klassischen Planeten. Dass Sonne und Mond dazu gehören erklärt sich aus der geozentrischen Sichtweise der Astrologie. Die Sonne steht zwar im Mittelpunkt unseres Sonnensystems, unser Standort ist aber die Erde, von hier aus beobachten wir die Himmelskörper.

Sortieren wir die klassischen Planeten nach ihrer Umlaufzeit durch die Ekliptik in absteigender Reihenfolge, so erhalten wir die Chaldäische Reihe.

Position Planet Durchschnittliche Umlaufzeit durch die Ekliptik in Tagen Durchschnittlliche Umlaufzeit durch die Ekliptik in Jahren
1
Saturn
10.804
29,60
2
Jupiter
4.329
11,86
3
Mars
687
1,88
4
Sonne
365
1,00
5
Venus
225
0,62
6
Merkur
87
0,24
7
Mond
27
0,07

Die Chaldäische Reihe benutzte der Langheimer Cisterzienser-Abt Mauritius Knauer in seinem Schriftstück mit dem Namen Immerwährender Hauskalender, um den Jahresregenten zu bestimmen. Das erwähnte Schriftstück ist seit 1721 unter dem Namen Hundertjähriger Kalender bekannt. Dieser Kalender basiert auf Wetterbeobachtungen, die Mauritius Knauer von 1652 bis 1658 durchführte.

Mauritius Knauer ging von folgenden Annahmen aus:

  • Das Wetter wiederholt sich alle sieben Jahre.
  • Jedem Jahr ist ein Planet (Jahresregent) zugeordnet.
  • Die Jahre (Planeten-Jahre) beginnen jeweils am 21. März und enden am 20. März des folgenden Jahres.

Dass 2008 ein Jupiter-Jahr ist, ergibt sich nun aus der folgenden Rechnung:

Vermindern Sie die Jahreszahl (hier 2008) um vier, so erhalten Sie 2004. Rechnen Sie jetzt 2004 modulo 7, und Sie erhalten 2. Dies ist in der Chaldäischen Reihe (s.o.) die Position des Planeten, der vom 21. März 2008 bis zum 20. März 2009 die Regentschaft übernimmt. So wird für jedes Jahr der Jahresregent berechnet.

Über den Jahresbeginn ist viel nachgedacht worden. Für uns beginnt das neue Jahr jeweils mit dem 1. Januar. Diese Festsetzung ist willkürlich, denn es gibt kein astronomisches Ereignis, das diesen Tag besonders hervorhebt.

Dass das Jahr mit dem Eintritt der Sonne in den Widder beginnt, ist keine Erfindung des Mauritius Knauer. Im ersten Buch seiner TETRABIBLOS schrieb Claudius Ptolemaeus (100 bis 178 n. Chr.): "Hat nun auch gleich der Zodiak keinen Anfang, da er einen in sich geschlossenen Kreis darstellt, so setzten die Alten doch den Widder als das erste Zeichen, weil in ihm die Frühlingsnachtgleiche liegt; da sie die feuchte Natur des Frühlings gleichsam als die Grundlage alles Lebendigen ansahen. Von dort aus zählten sie nun alle anderen Jahreszeiten weiter." Also beginnt nach der Lehre der klassischen Astrologie das Jahr mit dem Eintritt der Sonne in den Widder.

Berechnet man für diesen Augenblick ein Horoskop auf die Hauptstadt eines Landes (hier Berlin) lokalisiert, so kann man aus diesem Horoskop die für die nächsten zwölf Monate anstehenden Themen ablesen. Insbesondere aber auch die Themen, die das Land in den kommenden drei Monaten bis zum Eintritt der Sonne in den Krebs bewegen werden.


Berlin, 20. März 2008, 7:49 Uhr LT
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Doch bleiben wir beim Jahresregenten: Jupiter steht im Steinbock. Er steht im Fall. Dies gilt für jeden Ort auf der Welt. Nicht die beste Stellung, Jupiter fühlt sich hier nicht wohl, da seine Eigenschaften mit denen des Steinbocks nicht harmonisieren. Somit wird seine Kraft schwächer. Der Steinbock fordert ihn auf, seine Ideen zu institutionalisieren. Dies kann z.B. bedeuten, dass Ideen zu Gesetzen, Regeln oder Prinzipien werden. Dies kann aber auch bedeuten, dass Ideen eine Form annehmen, sich z.B. in Bauwerken materialisieren.

Da Jupiter im neunten Haus steht, bedeutet dies insbesondere für Berlin - und damit auch für Deutschland - , dass es um Themen wie Religion, Philosophie, Werte, Bildung, Kulturen, Ausland und Aufenthalte in fernen Ländern geht.

Übrigens, seit der Jahrtausendwende ist 2008 das zweite Jahr, in dem Jupiter die Regentschaft übernimmt. Ob es "zum erfolgreichsten Jahr seit der Jahrtausendwende" wird, wie es in einem FERNSEH-MAGAZIN für die Woche vom 29. Dezember 2007 bis zum 4. Januar 2008 zu lesen war, das werden die nächsten Monate zeigen. Dass Jupiter nicht unbedingt Glück und Erfolg garantiert, hat das Jahr 2001 gezeigt, in dem Jupiter am 21. März die Jahresregentschaft übernahm.

Lennard Wilko